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Wenn es nicht richtig wintert, som- mert es auch nicht richtig, pflegt man im Hohen Vogelsberg zu sagen!

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Bild: Elstern warten auf ...

  

Winter im Hohen Vogelsberg

bedeutete vor etwas mehr als 200 Jahren totale Abgeschiedenheit, Isolation. Draußen – in Frankfurt - kannten damals die meisten Leute nicht einmal den Namen des Gebirges, und für diejenigen, die ihn kannten, war er mit Vorurteilen behaftet. Charakteristika, wie eine der rauesten Landschaften Deutschlands oder undurchdringliches Waldgebirge, saßen in den Köpfen fest. Nur ein paar waghalsige Forscher trauten sich von außerhalb in das einsame Land dort oben in den Bergen hinein und nur in den Sommermonaten. Die Verbindungswege zwischen den Orten waren im Winter oft zugeweht – eine Orientierung deshalb fast unmöglich.

Berichte über Wintermonate im Hohen Vogelsberg schrieb ein Dorfpfarrer, aus dem Rheinland in die Berge versetzt, in das Chronikbuch seines Kirchspiels. Mitte Oktober zog der Winter ein mit Schnee und Eis und herrschte mit kurzen Unterbrechungen bis zum 20. April des nächsten Jahres, ist dort zu lesen und weiter: Strenge Kälte, mächtiger Schneefall und heftige Schneestürme brachten um die Weihnachtszeit wochenlang weit und breit jeglichen Verkehr zum Erliegen. 30 Menschen sollen umgekommen sein, theils vor Kälte, theils vor Erschöpfung, theils im Schnee verschüttet.

  

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Bild: Winterland Vogelsberg.

  

Wenn's nicht wintert, sommert's auch nicht, resümierte der Pfarrer und stellte anschließend fest, dass der folgende Frühling und der Sommer im Vogelsberg nur eine Art Nachwinter waren, bevor nach immerhin einigen schönen Herbsttagen der nächste Winter recht zeitig mit strenger Kälte begann und tiefer Schnee bis Ende März im nächsten Jahr das Land überdeckte. Er freute sich für die Kinder, denen trotz klirrendem Frost, helles und klares Wetter einige herrliche Schlitten- und Eisbahnen gebracht hatte. Er bedauerte die armen Leute, für die es eine schlimme Jahreszeit war, denn die Holzhauerei im Oberwald musste als Folge der Schneemassen eingestellt werden. Das Wintereinkommen fehlte zwar nicht ganz, da das Geschäft der Schneeschipper blühte.

Die Bauern saßen mit ihren Großfamilien an solch eisigen Tagen alle leicht gekleidet in der brühheißen Stube, berichtet eine andere Quelle. Spinnen war die Winterarbeit für Manns- und Weibspersonen, von Großvater und Großmutter an bis zum Kind, das kaum den Faden drehen konnte. In der Ecke klapperte ein Webstuhl Leinwand für den Hausbedarf und mehr aus selbst gezogenem Flachs. Die Luft war stickig, mit den Dünsten der zahlreichen Gesellschaft und der Ofenblase geschwängert. Kam die Zeit zum Versorgen der Tiere, ging man, ohne sich zu bedecken, in die grimmigste Kälte, die Mädchen mit offenem Wams, mit offenem Busen und nackten Unterschenkeln vom Spinnrad über die Gasse hinweg zum Stall. Erkältungskrankheiten waren die geringsten Folgen.

Der Dorfpfarrer sorgte sich um seine Gesundheit und dankte Gott, dass ihm in dieser kalten Zeit seine lebensgefährlichen Gänge zu den sieben Filialgemeinden kein weiteres Nachspiel als nur einen vorübergehenden Schnupfen eingebracht hatten. Oft musste er trotz scheußlichstem Unwetter zu Fuße wandern, weil ihm die Herren Bauern erklärten: Bei dem Woos-Wäder dunn mer kaan Gaul enaus!

  

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Bild: Vogelsbergwinter.

  

Und der nächste Winter? Er begann diesmal erst im Dezember, doch wieder mit viel Schnee, starken Stürmen und großer Kälte.

Der Pfarrer notierte in seine Chronik: Der Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertage sowie der Abendgottesdienst an Sylvester waren trotz des schlimmsten Wetters zahlreich besucht. Und er notierte auch: Man glaubte sich nach Sibirien versetzt! – Nach Kleinhessisch Sibirien im Hohen Vogelsberg.

 


Quelle: Alfred Schneider, Wie war es damals im Vogelsberg? in: Winter und Weihnachten zwischen Rhön und Vogelsberg, Rhön Verlag Hünfeld, 1999

 

 

 

 

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