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Wenn es nicht richtig wintert, som- mert es auch nicht richtig, pflegt man im Hohen Vogelsberg zu sagen!

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Bild: Verschneites Land.

  

Glockenläuten
Aus Georg Engelbachs Pfarrleben in einem Vogelsbergdorfe

In Berücksichtigung der großen Gefahr, die dem nächtlichen Verirrten droht, hat man in jener Gegend die Einrichtung getroffen, daß während der Wintermonate jeden Abend von acht bis halb neun Uhr ununterbrochen geläutet wird. Mancher, der draußen umherirrte bange Stunden lang, ist durch den trauten, in solcher Lage wie Himmelston klingenden Schall zu den ersehnten Wohnungen der Menschen geleitet worden. Eigentümliche Gefühle erfüllen die Seele, wenn man in wohnlichen und warmen Heim, im Kreise der Seinigen, dieses nächtliche Geläute vernimmt und an die Möglichkeit denkt, daß draußen ein Mensch umherirre und die Glockenklänge vielleicht eher verstummen, als er die rettende Behausung erreicht habe. "Auch kann es geschehen" - so sagt man zu sich selbst -, "daß die Kraft schon erschöpft und der Todmatte niedergesunken ist, so daß ihm auch der klarste und aus der Nähe kommende Glockenruf nicht mehr helfen kann."

  

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Bild: Winterwald.

  

Wehmütig gedenke ich heute noch eines solchen Falles. Ein Helpershainer schon älterer Mann hatte in abendlicher Stunde dem nach Ulrichstein heimkehrenden Landgerichtsdiener Amend auf dessen Bitte das Geleite gegeben. Die Entfernung von Helpershain nach Ulrichstein betrug drei Viertelstunden. "Bis halbwegs" - hatte der Gerichtsdiener gesagt - "gehst du mit, dann kann ich nicht mehr irren, und du gehst zurück." Guten Muts waren sie hinausgewandert in die schneebedeckte nächtliche Landschaft. Die nacht rückte vor, aber der Mann kam nicht zurück nach Helpershain. Die Angehörigen beruhigten sich und meinten: "er wird nach Ulrichstein gegangen sein und dort übernachte". Der andere Tag brachte erschütternde Aufklärung. Im nahen Wiesengrunde, kaum fünf Minuten von seinem Dorfe, war der von der Richtung Abgekommene und, wie die Spuren zeigten, beständig im Kreise Herumgegangene nach Verbrauch seiner Kräfte zusammengesunken und erfroren. Die Schuhe hatte er ausgezogen, um leichter zu schreiten, den Schnee um sich herum hatte er zerwühlt im Todeskampfe. Vielleicht hatte er noch das Glöcklein vernommen, das ihm sein "Komm, komm!" zurief. Aber was half ihm die Glocke, so nah und doch so fern!? Sie sollte ihm zum Eingang in die kalte Behausung des Todes läuten.

  

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Bild: Von Schnee fast überdeckter Bachlauf.

 

 

 

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